Terrorwarnung überschattet den Jahreswechsel

Selten ist ein Jahr so dramatisch zu Ende gegangen wie 2015. In der letzten Stunde des vergangenen Jahres verbreitete die Münchner Polizei eine Terrorwarnung und ließ den Hauptbahnhof und den Bahnhof Pasing evakuieren. Selbst S-Bahnzüge und die U-Bahnzüge hielten nicht. In den frühen Morgenstunden des neuen Jahres wurden die Sperrungen aufgehoben, der Zugverkehr lief wieder planmäßig an.

‚Im vergangenen Jahr war der Münchner Hauptbahnhof ein Symbol für einen sicheren Zufluchtsort für Menschen aller Rassen und Religionen. Nur mit großem Entsetzen kann man nun zur Kenntnis nehmen, daß Bahnhöfe augenscheinlich ins Visier von Terroristen genommen werden‘, sagt der Sprecher der Aktion Münchner Fahrgäste Andreas Nagel. ‚Mit großer Besonnenheit muß entsprechenden Hinweisen immer nachgegangen werden. Wir vertrauen weiterhin auf die Erfahrung der Polizei und die Vernunft der Bürger, die nicht hysterisch auf jedes vergessene Gepäckstück reagieren dürfen.‘

Allen Beteiligten gilt der Dank des Fahrgastverbandes. Terror sollte aber nicht am Münchner Hauptbahnhof bekämpft werden, sondern unsere Aufmerksamkeit muß den Ursachen und ihrem Ursprung gelten.

2015 blieben große Verbesserungen im Münchner Linienverkehr aus

Das Jahr 2015 begann mit einem bedenklichen Unfall am Scheidplatz. Ein 60 Jahre alter Mann stürzte ins Gleisbett der U-Bahn am Scheidplatz. Durch glückliche Umstände kam er nicht zu Tode. Dies sollte aber nicht der einzige Fall im Jahr 2015 bleiben. Auch an der Theresienwiese und am Sendlinger Tor kam es zu solchen Vorfällen. Seit Jahren fordert die Aktion Münchner Fahrgäste eine Gleisbettüberwachung. Dazu wurden auch Systeme zur Erprobung installiert. Erfolgreich abgeschlossen wurde dieses Projekt allerdings noch nicht.

Das Polizeipräsidium München, die Bundespolizeiinspektion München und der Fahrgastverband konnten auf eine fünfjährige erfolgreiche Zusammenarbeit zurückblicken. Im Verkehrszentrum des Deutschen Museums auf der Schwanthalerhöhe finden Zivilcouragekurse statt, die zeigen, wie man gefährliche Situationen vermeidet und sich notfalls selbst und anderen helfen kann. Altoberbürgermeister Christian Ude ist der Schirmherr der Veranstaltungsreihe und würdigte den Einsatz aller Beteiligten.

Im Februar konnte man auf 50 Jahre U-Bahnbau zurückblicken. Der damalige bayerische Ministerpräsident Alfons Goppel und Oberbürgermeister Dr. Hans-Jochen Vogel leiteten damals ein neues Kapitel der Münchner Verkehrsgeschichte ein. Der Neubau von U-Bahnstrecken wurde auch in diesem Jahr intensiv diskutiert. Anfänglich schien alles mach- und finanzierbar, gegen Ende des Jahres wurde aber festgestellt, daß im Münchner Stadthaushalt eine größere Lücke entstanden ist, die die finanziellen Spielräume einengt.

Unter den Streiks der Lokführer mußten die Fahrgäste erheblich leiden. Der Tarifkonflikt führte auch zu einer Schädigung des Gesamtsystemes Eisenbahn. Mit Hilfe von zwei Schlichtern wurde dann eine Lösung gefunden, die von den Arbeitnehmervertretern akzeptiert wurde. Nur die Tatsache, daß es noch verbeamtete Lokführer gab, ermöglichte die Aufrechterhaltung eines stark eingeschränkten Verkehrs.

Der Bundesrat gab seine Zustimmung zur Erhöhung der Strafe für Schwarzfahrer. Jetzt darf ein ‚Erhöhtes Beförderungsentgelt‘ von 60 Euro verlangt werden. Dies war ein langgehegter Wunsch der Verkehrsunternehmen. Leider trifft es auch immer wieder Fahrgäste, die sich nur getäuscht haben. Die Kulanz der Verkehrsunternehmen ist sehr gering, die Fahrgäste müssen für Verspätungen und Zugausfälle wesentlich mehr Verständnis aufbringen. Hier besteht also weiterhin Handlungsbedarf.

Es wurden neue Trambahnzüge bestellt. Insgesamt sollen zunächst 22 neue Züge vom Siemens-Typ Avenio ausgeliefert werden, und zwar je 9 zweiteilige und 9 dreiteilige sowie 4 vierteilige Züge. Das Prinzip, kuppelbare Einheiten zu bestellen, kann nur gelobt werden, denn so ist ein bedarfsgerechter Fahrzeugeinsatz möglich.

Pünktlich und zuverlässig wie immer wurden die Tarife des Münchner Verkehrs- und Tarifverbundes um 2,8 Prozent erhöht. Wenigstens blieb der Preis für die beliebte Streifenkarte gleich.

Mit Dampfzügen und vielen Veranstaltungen wurde an die Eröffnung der Eisenbahnlinie von München nach Augsburg gedacht, die vor 175 Jahren stattfand. Auch in München gab es ein denkwürdiges Ereignis. Im Siemens-Werk an der Krauss-Maffei-Straße wurde die Lok mit der Fabriknummer 22.000 hergestellt. Die erste Lokomotive mit dem Namen ‚Der Münchner‘ wurde 1841 abgeliefert.

Der Fahrplanwechsel im Dezember brachte zwar nicht die notwendigen Verbesserungen aber die Bürger in Moosach können sich nun über eine Verbindung erfreuen, die früher von der Metrobuslinie 50 hergestellt wurde. 5 Jahre waren notwendig um diesen Lückenschluß zu erreichen. Im Landkreis München konnte der Takt der Trambahnlinie 25 nach Grünwald an Samstagen wieder auf einen 10-Minuten-Takt verdichtet werden. Mit einer Verspätung von 5 Jahren wurde an das 100jährige Bestehen dieser Traditionslinie erinnert, das 2010 ausfallen mußte, weil die Zukunft der Trambahn nicht gesichert war.

Bedauerlich war, daß die versprochene Trambahnlinie nach Zamdorf nicht termingerecht fertiggestellt wurde. Zwar konnte eine Stützmauer errichtet werden, aber mit dem Bau der Strecke wurde noch nicht einmal begonnen.

Mit großer Bestürzung mußte der Tod von Anton Otto Söllner hingenommen werden. Er war ein sehr sachkundiges und engagiertes Mitglied der Aktion Münchner Fahrgäste. Nicht nur konzeptionelle Überlegungen sondern auch der direkte Einsatz für die Fragen und Anliegen der Fahrgäste waren seine Stärke. Er verstarb im Alter von 50 Jahren.

Große und dringend erforderliche Verbesserungen für den Linienverkehr konnten im Jahr 2015 nicht erreicht werden. Lediglich die Integration des Filzenexpreß von und nach Wasserburg (Bahnhof) in den MVV-Tarif war ein Lichtblick.

Einen guten Rutsch ins neue Jahr und frohes und erfolgreiches 2016

Wir wünschen Euch einen guten Rutsch ins neue Jahr und frohes und erfolgreiches 2016!

Kommt mit U-Bahn, S-Bahn, Bus und Tram gut durch die Nacht.

Für 2016 wünschen wir viel Erfolg bei der Zulassung von neuen Fahrzeugen (siehe die C2-Züge) und der Umsetzung wichtiger Verkehrsprojekte (z.B. der Regionalzughalt Poccistraße) sowie ein glückliches Händchen bei der Wahl des neuen MVG-Chefs.

Streit um den Regionalzughalt Poccistraße

Die Süddeutsche Zeitung berichtet über den Streit zwischen dem Freistaat Bayern und der Landeshauptstadt München um die Finanzierung der Planungskosten und der Baukosten für den U-Bahnzugang.( http://www.sueddeutsche.de/muenchen/regionalzughalt-stadt-und-freistaat-streiten-um-bahnhof-poccistrasse-1.2799827 )

‚Seit Jahren fordern wir den Regionalzughalt Poccistraße. Er würde nicht nur den Fahrgästen aus den Regionalzügen das Leben erleichtern, sondern wäre in einem der leider nicht so seltenen Störungsfälle auf der bisherigen S-Bahnstammstrecke eine zusätzliche Umsteigemöglichkeit‘; sagt Andreas Nagel, Sprecher der Aktion Münchner Fahrgäste. Statt Zeit und Geld mit utopischen Projekten zu verschwenden, sollten sich Stadt und Land endlich einmal auf das Machbare konzentrieren.‘

Seit Jahren krankt die Münchner Verkehrspolitik an dem berühmten Schwarzer-Peter-Spiel. Ist die eine Partei dafür, muß die andere dagegen sein. Das ist das oberste Prinzip. Zu viele Köche versuchen den Brei zu mischen. Und Schuld sind immer die anderen. Nur bei Tariferhöhungen, da herrscht seltene Einmütigkeit. Das S-Bahnsystem krankt, die U-Bahn ist nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Züge fehlen in beiden Systemen. Die Probleme müssen im neuen Jahr lösungsorientiert angegangen werden. Das ist die zentrale Forderung des Fahrgastverbandes.

Bahnsteigtüren unverzichtbar

Ein 29jähriger wollte am Mittwoch, 23. Dezember 2015, gegen 22:50 Uhr, auf dem Bahnsteig der U3/U6 am U-Bahnhof Sendlinger-Tor-Platz an wartenden Fahrgästen vorbeigehen. Hierbei kam er der Bahnsteigkante sehr nahe und stürzte in das Gleisbett. Gerade in diesem Augenblick fuhr ein 56jähriger mit der U3 von Moosach kommend in den U-Bahnhof ein. Er bemerkte den Sturz des Mannes und leitete sofort eine Schnellbremsung ein. Ein am Bahnsteig anwesender Verkehrsmeister rief dem Fahrgast zu, er solle sich in den „Sicherheitsraum“ unterhalb der Bahnsteigkante flüchten. Der junge Mann reagierte schnell und rollte sich in den Sicherheitsraum. Einen Moment später fuhr die bremsende U-Bahn an ihm vorbei. Es kam zu keiner Berührung zwischen U-Bahn und dem Mann. Der Verkehrsmeister schloss den Strom kurz und konnte den 29jährigen anschließend retten. Der Gestürzte brach sich bei dem Unfall den linken Ellbogen und wurde mittels Rettungsdienst zur weiteren Behandlung in ein Krankenhaus gebracht. Aufgrund des Ereignisses war das Gleis für 30 Minuten gesperrt. Es fielen deshalb mehrere U-Bahnzüge aus.

„Wir freuen uns über das große Glück des jungen Mannes und sind dankbar für die vorbildliche Reaktion des Verkehrsmeisters“, sagt Andreas Nagel, Sprecher der Aktion Münchner Fahrgäste. „Dieses Ereignis zeigt aber wieder einmal, wie dringend notwendig die technische Aufrüstung des Münchner U-Bahnsystems ist: Wir brauchen Bahnsteigtüren, die Gleisbettüberwachung und einen automatischen Fahrbetrieb zur Leistungssteigerung der bestehenden Tunnel.“

Der Fahrgastverband fordert seit langem, in das bestehende System zu investieren und es auf einen zeitgemäßen technischen Stand zu bringen. Nur Bahnsteigtüren können an den hochbelasteten Stationen für die notwendige Sicherheit sorgen. Zwar wird den U-Bahnhof Sendlinger Tor umgebaut, dies ist aber nicht ausreichend um dem hohen Fahrgastansturm gerecht zu werden. Die Gleisbettüberwachung soll an weniger belasteten Bahnhöfen für zusätzliche Sicherheit sorgen. In der Vergangenheit gab es etliche bedauerliche Fälle, bei denen die Zeit zwischen dem Sturz ins Gleisbett und dem Einfahren des Zuges genügend lange gewesen wäre um einen tödlichen Ausgang zu vermeiden. Auch muss verstärkt auf den „Sicherheitsraum“ unter jedem Bahnsteig in den Tunnelbahnhöfen hingewiesen werden.

„Wir appellieren auch an alle Fahrgäste, zuerst an ihre eigene Sicherheit zu denken. Es lohnt sich nicht für ein paar Sekunden Zeitgewinn, ein Risiko einzugehen“, sagt Nagel mahnend.

Bei vielen neueröffneten U-Bahnlinien weltweit sind Bahnsteigtüren mittlerweile üblich, wie hier auf der U-Bahnlinie C in Rom.