Aktuelle Informationen für Presse und Rundfunk 16.03.2007 (03/2007)
Für Rückfragen steht Ihnen zur Verfügung:
Andreas Nagel, Freischützstraße 110, 81927 München, (0172) 8342157, nagel@fahrgaeste.de
Berichterstattung weist oft nicht genügend auf die Ursachen der Unfälle hin.
Das Bild zeigt einen Bus der MVG, daneben steht die Überschrift: ‚Unfall auf dem Schulweg, Junge in Lebensgefahr.‘ Dann weiter im Text: ‚… die S-Bahn überfuhr gleich zwei Menschen‘. Und eine 61jährige wurde von der Tram überrollt.
Bei dieser Meldung drängt sich einem einfach der Verdacht auf, dass von Bus und Bahn eine Gefahr ausgeht – und insbesondere die Schienenverkehrsmittel gerne einmal die vorgesehene Weg verlassen und einen Menschen ‚erfassen‘.
Aber werfen wir einmal einen Blick in den Polizeibericht:
1.)—————————————————–
Ein 14-jähriger Schüler überquerte gestern Nachmittag, 13.03.2007, kurz nach 13.30 Uhr, die Rotlicht zeigende Ampel an der Ecke Fürstenrieder Straße / Andreas-Vöst-Straße. Zur gleichen Zeit befuhr ein 40-jähriger Versicherungskaufmann mit seinem Mercedes die Fürstenrieder Straße in südlicher Richtung. Plötzlich rannte der Schüler von der Mittelinsel aus über die Straße und vor den Mercedes des 40-Jährigen. Das Fahrzeug stieß ungebremst gegen den 14-Jährigen, der von der Motorhaube erfasst wurde und mit dem Kopf gegen die Windschutzscheibe geschleudert wurde. Anschließend kam er mit schwersten Verletzungen auf dem Gehweg zu Liegen. Er musste zur stationären Behandlung in ein Krankenhaus
gebracht werden, wo er sofort notoperiert wurde. Nach Angaben der behandelnden Ärzte ist sein Zustand akut lebensbedrohlich. Der Versicherungskaufmann blieb bei dem Unfall unverletzt. Der Bereich der Unfallstelle musste für die Unfallaufnahme gesperrt werden; der Verkehr wurde örtlich umgeleitet.
2.)—————————————————–
Nach bisherigen Ermittlungen des Unfallkommandos wollte ein 53-jähriger Pullacher am gestrigen Abend, 13.03.2007, etwa um 20.30 Uhr, offensichtlich den Weg zu seiner Wohnung abkürzen und überquerte die beiden Gleise der S-Bahnlinie Wolfratshausen-München. Entweder hatte der 53-Jährige die vom S-Bahnhof Pullach abfahrende Linie S 7 in Richtung München übersehen, oder er stürzte im Schotterbereich der Gleise gegen die vorbeifahrende S-Bahn. Der Mann wurde jedenfalls von dem Zug erfasst und sofort getötet.
3.)—————————————————–
Ein 72-jähriger Rentner aus Oberschleißheim befand sich gestern Abend, 13.03.2007, ca. 100 Meter östlich der Griesfeldstraße an dem vorbeiführenden Gleisstrang der Linie S 8. Um 21.48 Uhr wurde er auf Höhe km 4,15 von der S-Bahn, die vom Flughafen in Richtung Ostbahnhof fuhr, erfasst und rechts neben die Gleise geschleudert. Er erlag noch an der Unfallstelle seinen schweren Verletzungen. Zwei Zeugen fanden den Getöteten ca. 15 Minuten nach dem Unfall. Zur Vorgeschichte muss erwähnt werden, dass der 72-Jährige am Morgen des 12.03.2007 aufgrund eines Schlaganfalls in eine Münchner Klinik stationär aufgenommen wurde. Am darauffolgenden Tag wurde er gegen 16.00 Uhr von der Klinik als vermisst gemeldet. Der Rentner litt seit etwa einem Jahr an der Alzheimer Krankheit und war krankheitsbedingt stark verwirrt. Nach derzeitigem Ermittlungsstand wird davon ausgegangen, dass der 72-Jährige das Krankenhaus unbemerkt verlassen konnte und anschließend im Stadtgebiet umherirrte. Wie er von der Klinik zum Unfallort kam, ist bislang nicht geklärt. An der S-Bahn entstand ein geringer Sachschaden am Frontblech, das sich etwa in einer Höhe von 80 bis 90 cm befindet. Diese Beschädigung lässt den Schluss zu, dass der 72-Jährige zum Unfallzeitpunkt nicht stand.
4.)—————————————————–
Am 13.03.2007 wollte eine 61-jährige Fußgängerin die Schwanseestraße zur Straßenbahnhaltestelle überqueren. Dabei benützte sie nicht die etwa 30 Meter entfernte Fußgängerfurt. Als sie unmittelbar vor dem Führerhaus eines im Fahrzeugrückstau der Ampel wartenden, größeren Lkw im toten Winkel vorbei ging, wurde sie von diesem beim Anfahren erfasst, mitgeschleift und tödlich verletzt. Der Lkw-Fahrer bemerkte
offensichtlich den Unfall nicht und fuhr weiter.
——————————————————–
Zunächst wünschen wir dem schwerverletzten Schüler, dass sich sein dramatischer Zustand schnell wieder bessert. Wir bedauern den Tod der übrigen Beteiligten und unser Mitgefühl gilt den Angehörigen.
Aber an alle an der Berichterstattung Beteiligten möchten wir die Bitte richten, dass die Ursachen nicht völlig aus dem Blick geraten. Wer an nicht dafür vorgesehenen Stellen Gleise betritt, muss sich einfach der Gefahr bewusst sein. Ein Tonnen schweres Schienenfahrzeug kann weder ausweichen, noch schnell abgebremst werden. Die S-Bahn hat also niemenden ‚erfasst‘. Auch der Bus ist an dem nachfolgenden Unfall nur sehr weitläufig ‚beteiligt‘. Und glücklicherweise hat die Trambahn niemanden überrollt.
FAZIT: Die Linienverkehrsmittel verrichten ohne Anlass zum Tadel ihren Dienst. Allerdings kann man im Verkehr nicht genügend Vorsicht walten lassen.
